Neue Wege in deiner zweiten Lebenshälfte
Petra Borchardt

GUT FÜR DICH SORGEN

Der Körper wird älter – du musst deshalb nicht aufgeben

Warum es sich auch in der zweiten Lebenshälfte lohnt, gut für den eigenen Körper zu sorgen.

Der Körper wird älter – du musst deshalb nicht aufgeben

Vor einiger Zeit saß ich mit mehreren Frauen zusammen, die ungefähr in meinem Alter waren. Wie so oft kamen wir irgendwann auf das Thema Gesundheit zu sprechen. Auf Bewegung, Ernährung und all die kleinen Veränderungen, die wir mit den Jahren an uns bemerken.

Wir sprachen darüber, dass manches nicht mehr so selbstverständlich funktioniert wie früher. Dass sich der Rücken gelegentlich meldet, die Kondition schon einmal besser war und eine kurze Nacht heute deutlich länger nachwirkt als noch vor zwanzig Jahren.

Irgendwann sagte eine der Frauen einen Satz, den ich seitdem nicht vergessen habe:

„Ach Petra, in unserem Alter lohnt sich das doch alles nicht mehr.“

Sie sagte das ganz beiläufig. Nicht traurig, nicht besonders nachdenklich. Es war einfach eine dieser Bemerkungen, die man im Gespräch fallen lässt und vielleicht gleich wieder vergisst.

Mich hat dieser Satz allerdings noch lange beschäftigt. Denn was bedeutet es eigentlich, wenn wir glauben, dass sich etwas nicht mehr lohnt? Ab welchem Alter soll dieser Zeitpunkt erreicht sein? Mit sechzig? Mit siebzig? Oder vielleicht erst mit achtzig? Und wer entscheidet darüber?

Ich glaube, dass wir uns mit solchen Gedanken manchmal selbst mehr Grenzen setzen, als unser Körper es tatsächlich tut.

Der Körper wird älter. Das bedeutet aber nicht, dass es sich nicht mehr lohnt, gut für ihn zu sorgen.

Älterwerden bedeutet Veränderung, nicht Stillstand

Natürlich verändert sich unser Körper. Das lässt sich weder verhindern noch wegdiskutieren. Unsere Muskeln verändern sich, der Stoffwechsel arbeitet möglicherweise anders als früher, hormonelle Veränderungen spielen eine Rolle und manchmal brauchen wir einfach mehr Erholung.

Ich halte wenig davon, solche Veränderungen schönzureden. Wir müssen nicht so tun, als wäre mit siebzig alles genauso wie mit dreißig. Das wäre weder ehrlich noch besonders hilfreich.

Aber zwischen der Erkenntnis, dass unser Körper älter wird, und der Vorstellung, dass wir deshalb nichts mehr bewirken können, liegt ein großer Unterschied.

Nur weil uns etwas schwerer fällt, bedeutet das noch lange nicht, dass wir darauf verzichten müssen. Vielleicht müssen wir lediglich einen anderen Weg finden.

Wir vergleichen uns häufig mit früher. Wir stellen fest, dass wir nicht mehr genauso leistungsfähig sind, und ziehen daraus den Schluss, dass es sich ohnehin nicht mehr lohnt, etwas zu verändern.

Dabei übersehen wir leicht, dass es gar nicht darum gehen muss, wieder die Menschen zu werden, die wir vor zwanzig oder dreißig Jahren waren. Wir leben heute. Und genau für dieses heutige Leben dürfen wir gut sorgen.

Unser Körper braucht uns auch in der zweiten Lebenshälfte

Unser Körper hört nicht an einem bestimmten Geburtstag auf, auf das zu reagieren, was wir tun. Auch im höheren Alter können Bewegung, angemessenes Krafttraining und gute Gewohnheiten dazu beitragen, Kraft, Beweglichkeit und Selbstständigkeit zu erhalten oder zu verbessern.

Vielleicht geht manches langsamer als früher. Vielleicht brauchen wir mehr Geduld und müssen unsere Erwartungen verändern. Aber das macht die kleinen Fortschritte nicht weniger wertvoll.

Für mich liegt darin ein ganz wichtiger Gedanke: Wir müssen nicht sportlich aussehen oder außergewöhnliche Leistungen vollbringen. Viel entscheidender ist doch, wie wir unseren Alltag erleben.

Ob wir eine Treppe möglichst sicher hinaufsteigen können, unsere Einkäufe tragen, einen Spaziergang genießen oder selbstständig unterwegs sein können. Das klingt vielleicht wenig spektakulär. Aber genau solche Dinge machen einen großen Teil unserer Lebensqualität aus.

Deshalb finde ich es schade, wenn Menschen irgendwann glauben, Bewegung sei nur noch etwas für Jüngere.

Es muss ja nicht gleich ein Fitnessstudio sein. Manchmal beginnt ein neuer Umgang mit dem eigenen Körper ganz unspektakulär. Vielleicht mit regelmäßigen Spaziergängen, einem Kurs, etwas Gymnastik zu Hause oder einer Bewegungsform, die einfach Freude macht.

Wichtig ist, dass wir unsere Möglichkeiten und auch unsere Grenzen ernst nehmen. Nicht jede Bewegung passt zu jedem Menschen. Wer gesundheitliche Einschränkungen hat, braucht möglicherweise eine angepasste Form der Aktivität. Aber auch dann lohnt es sich häufig, nach dem zu schauen, was noch möglich ist.

Es geht nicht darum, wieder dreißig zu werden. Es geht darum, sich in den Jahren, die vor uns liegen, möglichst gut zu fühlen.

Gut essen heißt nicht, ständig auf etwas zu verzichten

Ganz ähnlich sehe ich das bei unserer Ernährung. Auch hier begegnet mir manchmal die Haltung, dass es irgendwann ohnehin keine Rolle mehr spiele, was wir essen. Dabei braucht unser Körper gerade mit zunehmendem Alter eine gute Versorgung.

Allerdings wünsche ich mir, dass wir Ernährung in der zweiten Lebenshälfte nicht ausschließlich mit Abnehmen, Kalorien und Verboten verbinden.

Wir haben oft schon so viele Jahre damit verbracht, unseren Körper verändern zu wollen. Vielleicht dürfen wir irgendwann anfangen, ihn stattdessen besser zu unterstützen.

Das bedeutet für mich, abwechslungsreich zu essen, auf eine ausreichende Versorgung mit wichtigen Nährstoffen zu achten und besonders die Bedürfnisse unserer Muskeln nicht aus dem Blick zu verlieren.

Es bedeutet aber ebenso, Mahlzeiten zu genießen, Freude am Essen zu haben und sich nicht wegen jeder kleinen Ausnahme ein schlechtes Gewissen zu machen.

Unser Körper braucht keine tägliche Prüfung unserer Disziplin. Er braucht Aufmerksamkeit, Fürsorge und eine Ernährung, die zu unserem Leben passt. Und manchmal gehört dazu eben auch ein Stück Kuchen in netter Gesellschaft.

Ich möchte nicht jung bleiben. Ich möchte gut älter werden.

Je mehr ich mich mit dem Älterwerden beschäftige, desto deutlicher wird mir, wie sehr unsere Einstellung das eigene Leben beeinflussen kann.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der Jugend häufig als erstrebenswert gilt und das Alter vor allem mit Verlusten verbunden wird.

Aber ich möchte mein Leben nicht damit verbringen, gegen die Jahre anzukämpfen. Ich möchte sie möglichst gut erleben. Mit allem, was sich verändert, und mit allem, was weiterhin möglich ist.

Für mich bedeutet das auch, meinen Körper nicht ständig dafür zu kritisieren, dass er älter wird. Er hat mich durch viele Jahrzehnte getragen. Er hat Veränderungen mitgemacht, Belastungen ausgehalten und mich durch gute und schwierige Zeiten begleitet.

Warum sollte ich ihm ausgerechnet jetzt nur noch mit Unzufriedenheit begegnen?

Natürlich darf ich mir wünschen, kräftiger, beweglicher oder ausdauernder zu werden. Ich darf etwas an meiner Ernährung verändern, besser schlafen oder mir mehr Zeit für Erholung nehmen.

Aber ich muss das nicht tun, weil mein heutiger Körper falsch wäre. Ich darf es tun, weil ich gut für mich sorgen möchte.

Wir müssen nicht gegen das Älterwerden kämpfen. Wir dürfen lernen, gut mit ihm zu leben.

Vielleicht ist „Dafür bin ich zu alt“ nur ein alter Gedanke

Dieser Gedanke reicht für mich inzwischen weit über Bewegung und Ernährung hinaus. Wie oft sagen wir uns eigentlich, dass wir für irgendetwas schon zu alt seien?

Für ein neues Hobby, eine Reise, eine Veränderung im Beruf oder dafür, noch einmal etwas ganz Neues zu lernen?

Selbstverständlich gibt es Grenzen. Manche entstehen durch unsere Gesundheit, andere durch unsere Lebensumstände. Und nicht jeder Wunsch lässt sich jederzeit verwirklichen.

Aber ich frage mich, wie viele Möglichkeiten wir gar nicht erst betrachten, weil wir uns selbst schon vorher eine Absage erteilt haben.

Vielleicht lohnt es sich, den Satz „Dafür bin ich zu alt“ gelegentlich zu hinterfragen. Nicht mit der Erwartung, dass plötzlich alles möglich sein muss. Sondern mit ein wenig Neugier darauf, was vielleicht doch noch gehen könnte.

Denn die zweite Lebenshälfte ist nicht einfach eine Fortsetzung der ersten mit immer weniger Möglichkeiten. Sie ist auch eine Zeit, in der wir manches bewusster betrachten und neue Entscheidungen treffen können.

Gerade jetzt lohnt es sich

Wenn ich heute an die Frau zurückdenke, die damals sagte, dass sich in unserem Alter doch alles nicht mehr lohne, würde ich ihr wahrscheinlich etwas anderes antworten als in diesem Moment.

Gerade jetzt lohnt es sich.

Nicht, weil wir das Älterwerden aufhalten könnten. Sondern weil die Jahre, die noch vor uns liegen, genauso wertvoll sind wie die Jahre, die wir bereits gelebt haben.

Es lohnt sich, auf unsere Kraft zu achten, unsere Beweglichkeit zu unterstützen und unserem Körper die Erholung zu geben, die er braucht.

Es lohnt sich, neugierig zu bleiben, Kontakte zu pflegen und sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren.

Vor allem aber lohnt es sich, den eigenen Körper nicht nur danach zu beurteilen, was er vielleicht nicht mehr so gut kann wie früher. Sondern auch danach, was er uns jeden Tag noch ermöglicht.

Mein Gedanke für dich

Vielleicht gibt es auch in deinem Leben etwas, bei dem du irgendwann gedacht hast, dass es sich nicht mehr lohnt.

Vielleicht möchtest du wieder mehr für deine Gesundheit tun, dich häufiger bewegen oder einfach bewusster mit deinen Kräften umgehen.

Dann musst du nicht gleich dein ganzes Leben verändern. Du brauchst keinen perfekten Plan und musst niemandem etwas beweisen.

Vielleicht reicht für den Anfang ein kleiner Schritt, der sich gut in deinen Alltag einfügt.

Denn dein Körper wird älter. Das lässt sich nicht verhindern und das muss es auch gar nicht. Aber daraus folgt nicht, dass du nichts mehr für dich tun kannst.

Der Körper wird älter. Das Leben muss deshalb nicht kleiner werden.