Neue Wege in deiner zweiten Lebenshälfte
Petra Borchardt

Gesundheit & Gelassenheit

Warum sich unser Körper verändert

Stoffwechsel, Hormone, Muskeln und Energie – warum unser Körper in der zweiten Lebenshälfte andere Bedürfnisse entwickelt und weshalb wir ihm mit mehr Verständnis begegnen dürfen.

Warum sich unser Körper ab 55 verändert – Muskeln, Hormone und Stoffwechsel verstehen

Es gibt einen Satz, den ich in den vergangenen Jahren immer wieder gehört habe: „Früher konnte ich essen, was ich wollte.“ Meistens wird er mit einem kleinen Lächeln ausgesprochen, aber manchmal steckt auch Frust dahinter. Vielleicht die Verwunderung darüber, dass der eigene Körper plötzlich anders reagiert, oder die leise Sorge, dass mit ihm etwas nicht mehr stimmt.

Vielleicht kennst du dieses Gefühl selbst. Du isst gar nicht wesentlich anders als früher und trotzdem verändert sich dein Gewicht. Die Hose sitzt plötzlich enger, deine Energie reicht nicht mehr für alles, was du dir vorgenommen hast, und nach einer anstrengenden Woche brauchst du länger, um dich zu erholen. Irgendwann taucht dann vielleicht die Frage auf, was du eigentlich falsch machst.

Meine Antwort darauf lautet zunächst einmal: Vielleicht gar nichts. Denn unser Körper verändert sich im Laufe unseres Lebens, und das ist zunächst einmal ein ganz natürlicher Vorgang. Wir müssen nicht jede Veränderung schön finden, aber wir dürfen versuchen, sie besser zu verstehen, bevor wir uns selbst dafür verantwortlich machen.

Ich glaube, dass genau dieses Verständnis eine wichtige Voraussetzung dafür ist, gut für uns zu sorgen. Denn wenn wir unseren Körper ständig als Problem betrachten, verlieren wir leicht den Blick dafür, was er eigentlich braucht.

Dein Körper macht nicht plötzlich alles falsch. Er verändert sich – genau wie dein Leben.

Unser Körper bleibt nicht dreißig

Eigentlich wäre es erstaunlich, wenn unser Körper über Jahrzehnte hinweg immer derselbe bleiben würde. Schließlich verändert sich auch alles andere in unserem Leben. Unsere Aufgaben werden andere, wir sammeln Erfahrungen, unsere Lebensumstände verändern sich und häufig verschieben sich auch unsere Prioritäten.

Trotzdem erwarten wir von unserem Körper manchmal genau das Gegenteil. Er soll möglichst genauso funktionieren wie mit dreißig, dieselbe Figur behalten und auf unsere Ernährung genauso reagieren wie früher. Am liebsten möchten wir weiterhin alles schaffen, was damals selbstverständlich war, und uns dabei auch noch genauso fühlen.

Wenn das nicht gelingt, suchen wir die Ursache häufig zuerst bei uns selbst. Vielleicht haben wir zu viel gegessen, uns zu wenig bewegt oder waren nicht diszipliniert genug. Schnell entsteht das Gefühl, wir müssten uns einfach mehr zusammenreißen, damit unser Körper wieder so funktioniert, wie wir es gewohnt sind.

Dabei gibt es viele natürliche Veränderungen, die dazu beitragen können, dass sich unser Gewicht, unsere Körperzusammensetzung und unser Energiebedarf im Laufe der Jahre verändern. Manche hängen mit hormonellen Umstellungen zusammen, andere mit unserer Muskulatur, unserer Bewegung oder unseren Lebensgewohnheiten.

Das bedeutet natürlich nicht, dass wir nichts beeinflussen können. Im Gegenteil: Wenn wir verstehen, was sich verändert, können wir viel bewusster entscheiden, wie wir unseren Körper unterstützen möchten. Aber Verständnis ist dafür eine wesentlich bessere Grundlage als ständige Selbstvorwürfe.

Unsere Muskeln werden immer wichtiger

Einer der Punkte, über die meiner Meinung nach viel zu wenig gesprochen wird, ist unsere Muskulatur. Als wir jünger waren, mussten viele von uns darüber kaum nachdenken. Wir waren vielleicht durch Beruf, Familie oder Freizeit automatisch mehr in Bewegung und konnten unsere Muskelmasse leichter erhalten.

Mit zunehmendem Alter kann sich das verändern. Wenn wir unsere Muskeln nicht regelmäßig beanspruchen, verlieren wir nach und nach Muskelmasse und Kraft. Dieser Prozess beginnt nicht plötzlich an einem bestimmten Geburtstag, sondern entwickelt sich über viele Jahre. Deshalb bemerken wir ihn häufig erst dann, wenn uns bestimmte Bewegungen schwerer fallen.

Dabei brauchen wir unsere Muskeln nicht nur, um schwere Einkaufstaschen zu tragen oder sportlich aktiv zu sein. Sie helfen uns beim Aufstehen, beim Treppensteigen, beim Gehen und bei nahezu jeder alltäglichen Bewegung. Eine kräftige Muskulatur trägt dazu bei, dass wir beweglich bleiben und unseren Alltag möglichst lange selbstständig gestalten können.

Auch für unseren Energiebedarf spielt die Körperzusammensetzung eine Rolle. Wenn wir Muskelmasse verlieren und uns gleichzeitig im Alltag weniger bewegen, kann unser Körper insgesamt weniger Energie benötigen. Das bedeutet, dass Ernährungsgewohnheiten, mit denen wir früher unser Gewicht problemlos halten konnten, heute möglicherweise andere Auswirkungen haben.

Ich finde, dass wir diesen Zusammenhang kennen sollten, ohne daraus gleich die nächste Verpflichtung zu machen. Wir müssen nicht plötzlich Leistungssport betreiben oder jeden Tag stundenlang trainieren. Aber es kann sinnvoll sein, unseren Muskeln regelmäßig etwas zu tun zu geben und sie nicht einfach sich selbst zu überlassen.

Schon angepasste Kraftübungen können dabei helfen, unsere Muskulatur zu erhalten oder zu stärken. Wichtig ist, dass die Bewegung zu unserer persönlichen Belastbarkeit passt und wir uns nicht überfordern. Denn es geht nicht darum, mit sechzig wieder die Leistung von dreißig zu erreichen, sondern darum, unseren Körper heute bestmöglich zu unterstützen.

Bewegung wird mit den Jahren nicht unwichtiger. Sie bekommt eine neue Bedeutung.

Auch unsere Hormone verändern sich

Bei Frauen kommt ein weiterer wichtiger Faktor hinzu: die hormonellen Veränderungen rund um die Wechseljahre. Viele verbinden diese Lebensphase zunächst mit Hitzewallungen, verändertem Schlaf oder Stimmungsschwankungen. Doch die hormonelle Umstellung kann auch Einfluss darauf haben, wie sich unser Körper zusammensetzt und an welchen Stellen er bevorzugt Fett speichert.

Manche Frauen erleben deshalb, dass sich ihre Figur verändert, obwohl sie gar nicht wesentlich anders essen als früher. Vielleicht wird die Taille weniger ausgeprägt oder das Körperfett sammelt sich stärker im Bauchbereich. Gerade wenn wir über viele Jahre ein bestimmtes Bild von unserem Körper hatten, können solche Veränderungen zunächst ungewohnt sein.

Hinzu kommt, dass sich auch andere Lebensumstände verändern können. Vielleicht schlafen wir schlechter, erleben mehr Stress oder bewegen uns aufgrund körperlicher Beschwerden weniger. All diese Faktoren können sich gegenseitig beeinflussen und dazu beitragen, dass wir uns in unserem Körper anders fühlen als früher.

Ich glaube, dass wir gerade in dieser Lebensphase etwas nachsichtiger mit uns selbst sein dürfen. Unser Körper hat nicht beschlossen, gegen uns zu arbeiten. Er reagiert auf Veränderungen, die zum Leben dazugehören und die wir nicht vollständig kontrollieren können.

Natürlich dürfen wir uns wünschen, uns wieder wohler in unserem Körper zu fühlen. Aber vielleicht hilft es uns, dabei nicht ständig gegen die Veränderungen anzukämpfen, sondern zu überlegen, was wir heute für unser Wohlbefinden tun können.

Ist wirklich der Stoffwechsel schuld?

Wenn wir älter werden und unser Gewicht steigt, bekommt häufig der Stoffwechsel die Schuld. Vielleicht hast du auch schon den Satz gehört: „Mein Stoffwechsel ist eben eingeschlafen.“ Dahinter steckt die Vorstellung, dass unser Körper ab einem bestimmten Alter plötzlich viel weniger Energie verbraucht und wir deshalb zwangsläufig zunehmen müssen.

Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Unser Energieverbrauch hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören unter anderem unsere Körpergröße, unsere Körperzusammensetzung, die vorhandene Muskelmasse und die Frage, wie aktiv wir im Alltag sind. Das Alter allein erklärt deshalb nicht jede Veränderung unseres Gewichts.

Besonders unsere Alltagsbewegung verändert sich häufig, ohne dass wir es bewusst wahrnehmen. Vielleicht gehen wir heute weniger Wege zu Fuß, verbringen mehr Zeit im Sitzen oder haben einen weniger körperlich anstrengenden Alltag als früher. Jede einzelne Veränderung erscheint zunächst unbedeutend, aber zusammengenommen können sie durchaus einen Unterschied machen.

Auch unsere Essgewohnheiten bleiben nicht immer gleich, selbst wenn wir das Gefühl haben, uns genauso zu ernähren wie früher. Vielleicht essen wir häufiger zwischendurch, bewegen uns nach den Mahlzeiten weniger oder haben durch veränderte Tagesabläufe andere Gewohnheiten entwickelt.

Deshalb gefällt mir die Vorstellung von einem kaputten Stoffwechsel nicht besonders. Sie vermittelt uns, dass mit unserem Körper grundsätzlich etwas nicht stimmt und wir kaum noch Einfluss auf unser Wohlbefinden haben. Viel hilfreicher finde ich die Frage, welche Veränderungen tatsächlich stattgefunden haben und wie wir darauf reagieren können.

Vielleicht braucht unser Körper heute eine etwas andere Ernährung, mehr Bewegung oder gezielte Übungen für die Muskulatur. Vielleicht spielt aber auch unser Schlaf eine Rolle oder wir brauchen mehr Erholung. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen, statt vorschnell einen einzigen Schuldigen zu suchen.

Und dann ist da noch unsere Energie

Vielleicht hast du ebenfalls festgestellt, dass du heute anders mit deiner Energie umgehen musst als früher. Eine kurze Nacht steckt man nicht mehr immer so leicht weg, Stress kann länger nachwirken und nach einem anstrengenden Tag braucht der Körper manchmal mehr Erholung. Dinge, die wir früher ganz selbstverständlich hintereinander erledigt haben, kosten uns heute möglicherweise mehr Kraft.

Das muss nicht automatisch bedeuten, dass etwas mit uns nicht stimmt. Unsere Belastbarkeit kann sich im Laufe des Lebens verändern, und auch unsere persönlichen Lebensumstände spielen eine Rolle. Vielleicht haben wir über viele Jahre hinweg wenig darauf geachtet, wie viel Erholung wir tatsächlich brauchen.

Ich glaube, dass gutes Älterwerden auch bedeutet, die Signale unseres Körpers ernster zu nehmen. Wenn wir müde sind, müssen wir nicht immer versuchen, uns noch mehr anzutreiben. Vielleicht wäre es manchmal hilfreicher, eine Pause einzulegen, ausreichend zu schlafen oder unsere Aufgaben etwas anders zu verteilen.

Natürlich sollten wir anhaltende oder ungewöhnlich starke Erschöpfung nicht einfach als normale Alterserscheinung abtun. Wenn Müdigkeit unseren Alltag deutlich beeinträchtigt oder plötzlich auftritt, ist es sinnvoll, die Ursachen medizinisch abklären zu lassen.

Aber nicht jeder anstrengende Tag verlangt nach mehr Disziplin. Manchmal braucht unser Körper einfach Erholung, und wir dürfen ihm diese auch zugestehen.

Nicht jeder müde Tag braucht mehr Disziplin. Manchmal braucht er einfach Erholung.

Wenn Abnehmen plötzlich schwieriger wird

All diese Veränderungen können auch erklären, warum das Abnehmen in der zweiten Lebenshälfte manchmal anders funktioniert als früher. Vielleicht hast du mit dreißig einfach ein paar Wochen weniger gegessen und die Waage zeigte relativ schnell ein niedrigeres Gewicht. Heute scheint sich dagegen kaum etwas zu verändern, obwohl du das Gefühl hast, dich genauso anzustrengen.

Die naheliegende Reaktion ist dann häufig, noch weniger zu essen oder die nächste strengere Diät auszuprobieren. Vielleicht verzichtest du auf bestimmte Lebensmittel, lässt Mahlzeiten aus oder versuchst, deinen Hunger möglichst lange zu ignorieren. Wenn sich trotzdem nicht der gewünschte Erfolg einstellt, wächst die Enttäuschung.

Genau hier möchte ich einen anderen Gedanken hineinbringen. Wenn unser Körper heute andere Bedürfnisse hat, bedeutet das nicht, dass er automatisch weniger Fürsorge braucht. Vielleicht benötigt er sogar mehr Aufmerksamkeit, besonders wenn es um eine ausreichende Versorgung mit wichtigen Nährstoffen und den Erhalt unserer Muskulatur geht.

Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Eiweiß, regelmäßige Bewegung und genügend Erholung können uns dabei unterstützen, gut für unseren Körper zu sorgen. Dabei sollten wir nicht nur darauf achten, wie viel wir essen, sondern auch darauf, ob wir unseren Körper mit allem versorgen, was er braucht.

Wenn du abnehmen möchtest, darfst du das selbstverständlich tun. Aber ich finde, dass Gewichtsverlust nicht mit ständigem Hunger, Verboten oder Selbstvorwürfen verbunden sein sollte. Viel wichtiger ist eine Ernährungsweise, die zu deinem wirklichen Leben passt und die du langfristig umsetzen kannst.

Vielleicht lohnt es sich gerade jetzt, nicht länger gegen den eigenen Körper zu arbeiten, sondern mit ihm. Denn unser Ziel sollte nicht nur eine bestimmte Zahl auf der Waage sein, sondern auch, dass wir uns möglichst kräftig, beweglich und wohlfühlen.

Claudia dachte, sie müsse sich nur mehr zusammenreißen

Claudia kannte diesen Gedanken sehr gut. Lange war sie davon überzeugt, dass ihr einfach die nötige Disziplin fehlte. Früher hatte sie schließlich auch abnehmen können, wenn sie sich ein paar Wochen besonders zusammennahm. Warum sollte das heute nicht mehr genauso funktionieren?

Also versuchte sie es immer wieder. Sie aß weniger, strich Süßigkeiten von ihrem Speiseplan und nahm sich vor, abends möglichst nichts mehr zu essen. Eine Zeit lang hielt sie ihre Regeln ein, doch irgendwann kehrte der normale Alltag zurück. Und häufig kamen damit auch die verlorenen Kilos wieder.

Claudia war frustriert und begann, ihren Körper immer kritischer zu betrachten. Sie hatte das Gefühl, ständig gegen sich selbst kämpfen zu müssen, und fragte sich, warum ihr das Abnehmen heute so viel schwerer fiel als früher.

Irgendwann sprachen wir darüber, dass ihr Körper heute nicht mehr derselbe sein musste wie vor zwanzig oder dreißig Jahren. Nicht schlechter und auch nicht grundsätzlich falsch, sondern einfach anders. Vielleicht hatte sich ihre Muskelmasse verändert, vielleicht bewegte sie sich weniger als früher und möglicherweise spielten auch hormonelle Veränderungen eine Rolle.

Dieser Gedanke half ihr, ihre Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Statt sich weiterhin zu fragen, wie sie ihren Körper endlich wieder unter Kontrolle bekommen könnte, begann sie darüber nachzudenken, was ihm heute eigentlich guttun würde.

Sie fing an, regelmäßig spazieren zu gehen, und ergänzte nach und nach einfache Übungen für ihre Muskulatur. Sie achtete darauf, ausreichend und ausgewogen zu essen, statt Mahlzeiten auszulassen. Und vor allem versuchte sie, ihre Stimmung nicht länger jeden Morgen davon abhängig zu machen, welche Zahl auf der Waage stand.

Natürlich veränderte sich dadurch nicht von heute auf morgen alles. Ihr Körper wurde auch nicht plötzlich wieder dreißig. Aber Claudia begann, anders mit sich selbst umzugehen, und das war für sie eine wichtige Veränderung.

Vielleicht ist genau das manchmal der erste Schritt zu einem leichteren Leben. Nicht noch strengere Regeln, sondern ein neuer Blick auf uns selbst und die Bereitschaft, unsere heutigen Bedürfnisse ernst zu nehmen.

Gut für sich sorgen beginnt mit Verständnis

Vielleicht ist das für mich der wichtigste Gedanke bei diesem Thema. Wir können viel besser für unseren Körper sorgen, wenn wir aufhören, ihn ständig als Gegner zu betrachten. Denn er versucht nicht, uns zu ärgern oder uns das Leben absichtlich schwerzumachen. Er reagiert auf das, was wir im Laufe der Jahre erleben und wie sich unsere körperlichen Voraussetzungen verändern.

Unser Körper hat uns bis hierher durch unser Leben begleitet. Er hat Belastungen ausgehalten, sich immer wieder angepasst und uns ermöglicht, unzählige Erfahrungen zu sammeln. Vielleicht funktioniert heute manches anders als früher, aber das bedeutet nicht, dass wir ihn dafür ablehnen müssen.

Möglicherweise braucht er heute mehr Aufmerksamkeit für seine Muskulatur, eine Ernährung, die ihn zuverlässig mit Nährstoffen versorgt, und ausreichend Erholung. Vielleicht müssen wir auch unsere Bewegungsgewohnheiten verändern oder etwas geduldiger werden, wenn bestimmte Dinge nicht mehr so schnell gelingen.

Ich glaube, dass wir mit diesem Blick viel gewinnen können. Wir müssen nicht jede körperliche Veränderung hinnehmen, ohne etwas zu tun. Aber wir dürfen versuchen, verständnisvoll mit uns selbst umzugehen und Entscheidungen zu treffen, die unserem heutigen Leben entsprechen.

Mein Gedanke für dich

Wenn du heute in den Spiegel schaust und feststellst, dass dein Körper anders aussieht als vor zwanzig Jahren, dann versuche, nicht sofort nach einem Fehler zu suchen. Vielleicht ist es hilfreicher, dich daran zu erinnern, wie viel dieser Körper bereits mit dir erlebt hat und dass Veränderungen zu einem langen Leben dazugehören.

Natürlich darfst du Wünsche haben. Vielleicht möchtest du dich wieder beweglicher fühlen, mehr Kraft entwickeln oder dein Gewicht verändern. Aber diese Wünsche müssen nicht aus Unzufriedenheit mit dir selbst entstehen. Sie dürfen auch Ausdruck davon sein, dass du gut für dich sorgen möchtest.

Vielleicht ist die wichtigste Frage deshalb nicht, wie du wieder so werden kannst wie früher. Vielleicht lautet sie vielmehr: Was braucht mein Körper heute, damit ich mich möglichst wohl, kräftig und beweglich fühlen kann?

In den nächsten Beiträgen werden wir uns deshalb auch mit Ernährung, wichtigen Nährstoffen, Bewegung und einem entspannten Umgang mit dem eigenen Gewicht beschäftigen. Nicht mit einer neuen Liste von Verboten und nicht mit dem Anspruch, alles perfekt machen zu müssen. Sondern mit verständlichen Gedanken und alltagstauglichen Möglichkeiten, wie wir unseren Körper in dieser Lebensphase unterstützen können.

Denn leichter leben ab 55 bedeutet für mich nicht, dass wir möglichst lange so bleiben müssen, wie wir einmal waren. Es bedeutet, unsere heutige Lebensphase anzunehmen und gut für den Menschen zu sorgen, der wir jetzt sind.

Gut für sich zu sorgen beginnt nicht mit mehr Disziplin. Es beginnt damit, den eigenen Körper besser zu verstehen.